Sport/Training bei Multiple Sklerose (MS)

Training in zwei Phasen
Selbstbestimmter Sport sorgt bei Multiple-Sklerose-Patienten für Erfolg.

12.12.2014 5387

Internationale Studien belegen, dass Sport und Bewegung die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität von Menschen mit Multiple-Sklerose-Erkrankung (MS) steigern. Leider bliebe bisher viel Potenzial ungenutzt, bedauern Stephanie Kersten und Prof. Dr. Christian T. Haas vom Institut für komplexe Gesundheitsforschung an der Hochschule Fresenius in Idstein. Nachhaltige Erfolge lassen sich dann erzielen, wenn der Patient Kompetenzen übertragen bekommt und dadurch in die Lage versetzt wird, selbstbestimmt sein Training zu steuern. Zeit, Ort und unterstützende Personen sollte er eigenverantwortlich festlegen können. “Es geht darum, die Einstiegshürde für den Sport deutlich zu senken”, erklärt Kersten, die sich unter anderem auf Bewegungstherapien für MS-Patienten spezialisiert hat. Beim Training können sie einerseits gemeinsam mit anderen an Aktivitäten teilhaben und andererseits signifikante Verbesserungen im Alltag erreichen. Dafür hat Kersten einen Zweiphasenplan entwickelt, der Patienten eine aktive Rolle vermittelt, das Selbstbewusstsein stärkt und letztlich dafür sorgt, dass Bewegung langfristig positive Auswirkungen auf den Degenerationsprozess hat.

Ein wesentlicher Aspekt der Betrachtung ist die Ermüdung des Patienten, in Fachkreisen spricht man von der so genannten Fatigue. “Für Menschen mit MS bedeutet Ermüdung etwas grundsätzlich anderes als für einen Gesunden. Sie tritt plötzlich, ohne Vorwarnung und oft in heftiger Form auf”, erläutert Kersten. Das wirke sich auch auf die sportliche Aktivität aus: Überanstrengung kann dabei unter Umständen einen kompletten Knock-out für mehrere Tage bedeuten. “Ein MS-Patient tut sich daher mit der grundsätzlichen Entscheidung für den Sport sehr viel schwerer als ein gesunder Mensch”, weiß Kersten. Aus diesem Grund seien starre Trainingspläne mit festen Zeiten kontraproduktiv. Ist die Fatigue just zur Trainingszeit so enorm, dass nichts mehr geht, bleibt nur die Absage beim Physiotherapeuten – was zusätzlich für ein schlechtes Gewissen sorgt. Selbst äußere Einflüsse wie Hitze oder Kälte erlebt der MS-Patient wesentlich intensiver als der gesunde Mensch. “Ziel muss es also sein, dass der Patient selbst entscheiden kann, wann und wo er Sport treibt und auch mit wem”, fordert Kersten, “gerade diese gesellschaftliche Komponente ist nicht zu unterschätzen, das Gefühl dazuzugehören und gemeinsam mit Freunden und Verwandten aktiv etwas zu unternehmen, steigert die Lebensqualität um ein Vielfaches”.

NUR / physio.de