Patellaspitzensyndrom

Neues zum Patellaspitzensyndrom
Ursache und Behandlung des sogenannten “Jumper´s Knee” im Breiten- und Leistungssport.

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Das Patellaspitzensyndrom (Patellar Tendinosis) ist eine der häufigsten Erkrankungen bei Sportlern. Vor allem bei Ballsportarten mit hohem Sprunganteil auf harten Böden (z.B. Basketball, Volleyball) tritt die Erkrankung häufig auf. Deshalb wird das Patellaspitzensyndrom auch als sogenanntes “Jumper´s Knee” bezeichnet.

Es handelt sich um ein Überlastungssyndrom der Patellasehne durch wiederkehrende Mikrotraumata. Bei rund 65 Prozent der Betroffenen kommt es zu den charakteristischen Schmerzen an der Patellaspitze. Weitere 25 Prozent klagen über Schmerzen im Bereich des oberen Patellapols, zehn Prozent spüren die Beschwerden an der Tuberositas Tibiae. Entgegen vieler Meinungen werden die Beschwerden nicht von einem Impingement der Sehne ausgelöst. Bei extremen Fällen kommt es zu einer Abnahme des Durchmessers und letztendlich zur Ruptur der Sehne.

Ursächlich für die Patellar Tendinosis ist laut neueren Untersuchungen insbesondere eine verminderte Elastizität des M. quadriceps femoris und ein vergrößerter Q-Winkel (Winkel zwischen der Femurachse und der funktionellen Beinachse). Weitere Risikofaktoren sind das Alter, die individuelle Stabilität des Kniegelenks, die Position der Patella und die Ausübung einer der o. g. Sportarten.

Als konservative Methode hat sich beim Patellaspitzensyndrom die Behandlung mit physiotherapeutischen Maßnahmen bewährt. Evidenzen gibt es bereits zu:
- exzentrischem Quadrizepstraining
- Dehnung der Oberschenkelmuskulatur
- Beinachsentraining
- Iontophorese
Aktuelle Studien untersuchen außerdem den Effekt von Eigenblutinjektionen, Stoßwellentherapie und Proliferationstherapie (auch Prolotherapie: Injektion von reizenden Substanzen zur Förderung des Heilungsprozesses).

Von einer medikamentösen Behandlung mir NSAR wird eher abgeraten, da es sich beim “Jumper´s Knee” nicht um eine entzündliche Erkrankung handelt. Auch operative Eingriffe kommen in bestimmten Fällen zur Anwendung. Dabei wird entweder minimal-invasiv oder offen operiert, um umliegendes abnormales Gewebe zu entfernen.

Zur Prävention von Patellaspitzensyndromen ist vor allem im Leistungssport eine Behandlung mit Physiotherapie möglich. Auch der Einsatz von Einlagen, Tapes, Bandagen und komplementären Methoden ist denkbar, bisher aber nicht hinreichend untersucht.

Weiterführende Literatur
Lukas, C., & Fehske, K. (2016). Das Patellaspitzensyndrom im Sport. Sports Orthopaedics and Traumatology, 32(4), 349-354.
Fullerton, B. D., & Reeves, K. D. (2010). Ultrasonography in regenerative injection (prolotherapy) using dextrose, platelet-rich plasma, and other injectants. Physical medicine and rehabilitation clinics of North America, 21(3), 585-605.
Müller, R. (2011). Manualtherapie bei Insertionstendinosen. MMW-Fortschritte der Medizin, 153(1-2), 34-36.