künstliches Sprunggelenk

Wie gut funktioniert ein künstliches Sprunggelenk?
Moderne OSG-Prothesen haben eine Erfolgswahrscheinlichkeit von 70 bis 90 Prozent.

04.04.2017 5387

Wann ist ein endoprothetischer Ersatz des oberen Sprunggelenks (OSG) sinnvoll? Was spricht für eine Arthrodese und wie sind die Ergebnisse nach der Versorgung? Antworten zu diesen Fragen geben die Autoren Alexej Barg und Mathias D. Wimmer. Sie haben in einer auf Literatur gestützten Übersichtsarbeit nationale und internationale Empfehlungen zusammengetragen.

Die Autoren empfehlen bei einer schmerzhaften Arthrose des oberen Sprunggelenks zunächst:
- eine konservative Therapie mit intensiver Physiotherapie (lokale antiphlogistische Maßnahmen, Muskel-und Bewegungsübungen, Gangschule)
- eine orthopädietechnische Anpassung der Schuhe
- eventuell eine intraartikulären Viskosupplementation mit Hyaloronsäure

Erst wenn diese Maßnahmen nicht greifen, ist eine Operation in Betracht zu ziehen.

Die Indikation für den endoprothetischen Ersatz des OSG ist eine fortgeschrittene komplette OSG-Arthrose und folgende Vorausetzungen:
- gute Knochenqualität
- neutrale Achsenstellung
- gute Stabilität
- noch vorhandene OSG Beweglichkeit

Kontraindikationen sind:
- akute oder chronische Infektionen mit oder ohne Osteomyelitis oder Osteitis
- Osteonekrosen des Talus
- Neuromuskuläre Erkrankungen
- Neuroarthropathien
- Metallallergien

Bei ligamentären Instabilitäten sollte alternativ die OSG-Arthrodese durchgeführt werden.

Die relativen Kontraindikatoren sind:
- Osteoporose
- Diabetes mellitus
- Nikotinabusus
- Übergewicht

Bei sportlichen Patienten kann es zu einer aseptischen Lockerung kommen. Wandern, Schwimmen, Radfahren und Golf werden allerdings postoperativ empfohlen.

Während die endoprothetische Versorgung in den 70er- und 80er-Jahren mit einer aseptischen Lockerung bei nahezu 90 Prozent der Prothesen keine guten Ergebnisse erzielte, sind die lang-und mittelfristigen Resultate heute wesentlich besser. Unter Einsatz eines modernen Prothesendesigns liegt die Erfolgswahrscheinlichkeit mttlerweile zwischen 70 und 90 Prozent nach zehn Jahren.

Lange Zeit war die OSG-Arthrodese und nicht die endoprothetische Versorgung die Therapie der Wahl. Das mag auf die damals schlechten Resultate zurückzuführen sein. In einer aktuellen vergleichenden Studie zwischen OSG-Arthrodesen und dem endoprothetischen Ersatz des OSG erzielten die Patienten mit OSG-Prothese jedoch die besseren Ergebnisse. Sie beschrieben postoperativ geringere Schmerzen und bessere funktionelle Resultate.

Dennoch, so die Autoren, bleibt der endoprothetische Gelenkersatz ein komplizierter Eingriff. Zwar verbesserten sich die Ergebnisse stetig, doch stellt sich nicht der gleiche Erfolg wie bei der endoprothetischen Versorgung des Knie- oder Hüftgelenks ein. Intraoperative Komplikationen wie Frakturen des medialen oder lateralen Malleolus, Sehnen- und Nervenverletzungen kommen vor. Auch eine fehlerhafte Platzierung der tibialen oder talaren Komponente sind nicht selten. Sie führen zu einer verminderten OSG-Beweglichkeit, pathologischen Spannung der periartikulären Bänder und einer ungünstigen intraartikulären Druckverteilung. Die wichtigsten Ursachen für schlechte Ergebnisse sind aseptische Lockerungen der tibialen und/oder talaren Komponente, persistierende Schmerzen und septische Lockerungen.

In diesen Fällen erfolgte viele Jahre die Entfernung der Prothesenkomponenten und die Durchführung einer Arthrodese. Heute werden unterschiedliche chirurgische Techniken und Fixierungsmethoden bei der Arthrodese oder einer Revisionsendoprothetik durchgeführt.

Letztlich kommen die Autoren zu dem Fazit, eine Goldstandard-Therapie – weder bei der Arthrodese noch bei der endoprothetische Versorgung – gibt es nicht. Der endoprothetische Ersatz des OSG sei aber eine gute Therapiealternative bei kompletten endgradigen OSG-Arthrosen, um die Funktionalität herzustellen und den Patienten eine schmerzarme Mobilität zu ermöglichen. Entscheidend für ein gutes Ergebnis sei die sorgfältige präoperative Untersuchung und die Berücksichtigung aller Kontraindikatoren.